Anreise: Pfronten - Iseo - Livorno

Der Urlaub beginnt, wie fast immer, mit einem Tag auf der Autobahn. Wir kommen gut durch und sind gegen 17 Uhr in Pfronten, unserem ersten Etappenziel. Ganz in der Nähe, in Füssen, liegt das wohl bekannteste Schloss Deutschlands, Neuschwanstein. Das Schloss schauen wir uns nur aus der Ferne an, nach der langen Autofahrt ist ein Spaziergang zur Pöllat verlockender.
Auf der zweiten Etappe durch Österreich bevorzugen wir dann die Landstraße, ein "Pickerl" wollen wir uns nicht kaufen. So geht es über Fernpass und Reschenpass zum Hightlight des Tages, dem Stilfser Joch! Mit dem Motorrad hätte ich es wegen meiner "Kehren-Phobie" nie auf den Passo dello Stelvio (2757 m) geschafft, deshalb haben wir ihn, extra für mich, in unsere Cabriotour eingebaut! Die Nordost Rampe mit 48 nummerierten Kehren ist mittlerweile bestens ausgebaut, das Panorama einfach atemberaubend.


Am Lago di Iseo wohnen wir in einer urgemütlichen kleinen Ferienwohnung. Giulia, unsere Vermieterin, ist nett und hilfsbereit, am nächsten Morgen verwöhnt sie uns mit einem sehr leckeren Frühstück.
Die letzte Etappe führt uns durch die Lombardia und Emilia Romagna zum Fährhafen Livorno. Gegen 19 Uhr ist Einschiffung auf der Mega Express 2, wir haben eine tolle Kabine mit Doppelbett und Panoramafenster.

Bosa / Westküste

Früh am Morgen legt die Fähre in Golfo Aranci an. Da wir erst für den Abend in unserem B&B an der Ostküste angemeldet sind, haben wir Zeit für kleine Straßen und ein paar Abstecher.
So fahren wir im Sonnenaufgang die Costa Smeralda entlang, Ziel ist Capo d’Orso, das Bärenkap. Wir kommen pünktlich zu Öffnungsbeginn, so dass wir fast alleine unterwegs sind. Zum Bärenfels, dem Wahrzeichen der Gallura, führt ein 15 minütiger Fußweg. Schon bald hat man einen tollen Blick auf die eindrucksvollen Felsgebilde. Ganz vorne auf dem Felsen angekommen, bietet sich ein herrlicher Panoramablick auf das Meer und die Küste.


Weiter geht es nun Richtung Westen. In Tempio Pausania wollen wir Pause machen, mit unserem Volvo haben wir Probleme im Zentrum einen Parkplatz zu finden. Ein kleiner Fiat hätte hier eindeutig Vorteile! Wir werden dennoch fündig, bummeln durch die engen Gassen und kaufen Brot und Käse für die Mittagsrast ein, die wir später an einem See machen.
Unser B&B in Magomadas finden wir erst nach einigem Suchen. Das Haus liegt auf einer Anhöhe mit einem herrlichen Blick auf das Meer. Luigi, unser Wirt für drei Tage, ist sehr nett und hilfsbereit. Morgens bereitet er uns ein leckeres Frühstück mit Müsli und frischem Obst. Der Kaffee schmeckt, wie überall auf Sardinien, einfach nur gut. Auch der Kühlschrank mit Wein, Bier und Wasser, der zur Selbstbedienung mit Strichliste im Frühstücksraum steht, kommt gut bei uns an. Nur ein Manko gibt es: das einzige Restaurant, das im Fussgehabstand liegt, hat leider für die Saison geschlossen! So ist man gezwungen, abends mit dem Auto nach Bosa Marina oder Bosa zu fahren.

Das 8000 Einwohner zählende Städtchen Bosa liegt am grünen Mündungstal des Temo, dem einzigen schiffbaren Fluss auf Sardinien. Die Altstadt von Bosa, die Sa Costa, ist original erhalten und sehr hübsch mit den engen Gassen, vielen Treppen und den typischen 3-4 stöckigen Häusern mit einem Zimmer pro Etage. Sie zieht sich den Hang hinauf bis zum Castello Malaspina. Von der Burgmauer hat man einen tollen Panoramablick auf Bosa, den Temo und die Marina bis zum Meer.
Aber auch der Bummel durch die kleinen Gassen und über die Corso Vittorio Emanuele ist sehr interessant. In die Kathedrale werfen wir auch einen Blick, bevor wir auf einem der vielen Plätze einen leckeren Cappuccino zu uns nehmen.
Abends ist in der Altstadt viel los, die Temperaturen sind auch dann noch so angenehm, dass man draußen essen kann. Auf Empfehlung von Luigi besuchen wir an einem Abend das Il Tipico auf der Piazza Costituzione. Ein sehr schönes Ambiente und leckeres Essen.

Zwei Kilometer weiter am Meer liegt Bosa Marina, das Seebad von Bosa. Tagsüber ist hier einiges los, am Strand gibt es zahlreiche Bars, Restaurants und Wassersportmöglichkeiten. Wenige Kilometer weiter südlich in Porto Alabe finden wir einen schönen Strand, an dem nur vereinzelt ein paar Sonnenhungerige zuf finden sind. Hier gefällt es uns viel besser! Ich genieße das Bad im Mittelmeer und finde es herrlich, mich auf den Wellen treiben zu lassen.
Eine Tagestour führt uns in Richtung Norden, auf der Panorama Küstenstraße von Bosa nach Alghero und weiter um die Bucht von Porto Conte herum bis zum Kalksteinkap Capo Caccia (168 m). Unterhalb des Caps befindet sich eine der bekanntesten Tropfsteinhöhlen Sardiniens, die Grotta di Nettuno. Die Grotte ist per Boot zu erreichen oder über eine Treppe vom Cap aus. Eigentlich haben wir vor, von der Cala Dragonara aus das Boot zu nehmen, wegen Mangels an Personen fällt dieses aber aus. So nehmen wir die Escala di Cabirol, eine Treppe mit 654 Stufen, die an den senkrechten Felswänden herunter zur Höhle Grotta di Nettuno führt. Die 45 minütige Führung durch die Tropfsteinhöhle ist interessant, die Höhle, die aus mehreren Räumen besteht, ist sehr imposant. Anschließend folgt der Aufstieg, der wider Erwarten nicht so anstrengend ist wie befürchtet! Gelohnt haben sich die Strapazen auf jeden Fall.
Die vollverdiente Kaffeepause gönnen wir uns anschließend in Alghero im Cafe Latino mit tollen Blick auf den Hafen und Untermalung durch einem Gitarrenspieler. Gestärkt bummeln wir durch die historische Altstadt mit vielen Gassen, Geschäften und Plätzen.

Von der Westküste zur Ostküste

Nach drei Tagen verlassen wir die Westküste und machen uns auf den Weg auf die andere Seite der Insel. Den ersten Halt legen wir kurz hinter Cuglieri ein. Schon von weitem haben wir auf einer Anhöhe eine Burg gesehen, das Castello del Montiferru. Wir klettern hoch zur Ruine und werden mit einer toller Aussicht auf das Bergdorf Cuglieri belohnt.
Ein paar Kilometer weiter entdecken wir den Parkplatz zum Wasserfall Cascata di Sos Molinos. Von dort führt ein Fußweg mit vielen Stufen zum Wasserfall in der Schlucht. Hier fällt der Riu Molino 12 m hinab in einen urigen Naturpool mit schönen Sitzfelsen, ein lauschiges Plätzchen.
Am Nachmittag erreichen wir das Gennargentu Gebirge. Eine phantastische Passtraße führt in steilen Serpentinen in das 888 m hoch gelegene abgeschiedene Hirtendorf Desulo. Der Passo Arco de Tascusi (1245 m) und der Passo di Correboi sind weitere Höhepunkte des Tages. Auf letzterem werden wir immer wieder von freilaufenden Tieren aufgehalten. Uns begegnen im Laufe der Tage Schafe, Ziegen, Schweine und Kühe!
Abends erreichen wir unser Ziel an der Ostküste, den Ogliastra Badeort Arbatax.

Arbatax

In Arbatax haben wir für eine Woche über www.ferien-in-sardinien.com eine Zwei-Zimmer-Ferienwohnung in der Residenz Borgo degli Ulivi gebucht. Sowohl die Wohnung als auch die Anlage an sich übertreffen unsere Erwartungen! In der Wohnung fehlt es an nichts, die Küche ist komplett ausgestattet, selbst eine deutsche Kaffeemaschine mit Filtertüten ist vorhanden. Wir haben eine überdachte Terrasse, auf der wir jeden Morgen frühstücken. Mittelpunkt der Anlage bildet ein schöner Pool mit Bar. Wenn ich nicht tagsüber im Meer war, schwimme ich abends ein paar Runden im Pool während Volker sich von dem netten Kellner ein Bier bringen lässt.
Der Ort mit Lebensmittelgeschäften und mehreren Restaurants ist in wenigen Gehminuten zu erreichen.

Wir verbringen eine sehr erholsame und abwechslungsreiche Woche hier in Arbatax. Ein paar Cabriotouren in das Gebirge, eine Wanderung, ein Strandtag und viel Chillen auf unserer schönen Terrasse.
An einigen Abenden kochen wir selbst, an anderen testen wir verschiedene Pizzerien im Ort.
Das Wahrzeichen von Arbatax sind die roten Prophyrklippen Rocce Rosse, die besonders abends beim Sonnenuntergang schön anzusehen sind. Ein schweißtreibende Wanderung zum Capo Bellavista belohnt mit einem tollen Blick über die Stadt. Es gibt mehrere Badestrände im Ort, am einsamsten ist es in der Cala Moresca, einer kleinen von Klippen umgebenen Bucht aus Granitkieselsteinen. Dahinter befindet sich ein Pinienwald.

An drei Tagen machen wir Cabriotouren. Die erste Tour führt uns in das Bergdorf Baunei und zur Felsnadel Sa Pedra Longa, die auf einer vier Kilometer langen Serpentinenstrecke mit extremen Gefälle zu erreichen ist.
Auch zur zweiten Sehenswürdigkeit gelangt man nur über eine extrem steile Straße, teils mit 10% Steigung und sehr engen Kehren. Es ist die auf über 800 m Höhe liegende Basalthochebene Su Golgo. Das Naturreservat ist von lichten Steineichenwälder und Macchia bedeckt und lädt zum Wandern ein.

Auf dem Rückweg machen wir Halt in Santa Maria Navarrese, einem kleinen Küstenort am Schnittpunkt zwischen der Steilküste am Golf von Orosei und den Sandstränden der Ogliastra. Eine Landzunge mit malerischen spanischen Wachturm lädt zu einer längeren Lesepause ein, untermalt vom Rauschen des Meeres. Auch die Strandpromenade am Hauptstrand Lido delle Rose ist sehr einladend. Diesen Ort besuchen wir im Laufe der Woche noch zwei Mal.
An einer Aussichtsterrasse am Ortsende beginnt der Wanderweg zur Felsnadel Pedra Longa. Dieser schöne Küstenweg ist gut begehbar, auf etwa 100 m Höhe verläuft er durch Wald und um die kleinen Buchten herum, oft mit herrlichem Blick auf die Küste. Wir machen diese Wanderung an einem nicht so heißen Tag und brauchen etwa drei Stunden für den Hin-und Rückweg.
Am letzten Urlaubstag auf Sardinien verbringen wir hier noch einen Vormittag am Strand. Ich genieße es, ein letztes Mal im Meer zu baden, Volker macht es sich währenddessen auf der Strandliege mit einem Buch bequem.

Die nächste Tour geht von der Küste in die Ogliastra-Berge. Vom Bergdorf Lanusei aus fahren wir auf der SS198 Richtung Seui. Auf einer atemberaubenden Straße geht es vorbei an dem 1951 aufgrund eines Unwetters umgesiedelten Dorf Gairo Sant‘ Elena und dann einige Kehren tiefer am verlassenen Gairo Vecchio. Auf der anderen Talseite des Berges ist der neue Ort Osini und das alte, verlassene Geisterdorf Osini Vecchio.
In Osini nehmen wir den Abzweig zur Scala di San Giorgio auf einer hochabenteuerlichen Serpentinenstraße mit engsten Kehren. Leider kommt Nebel auf, als wir gerade auf die Felsklamm geklettert sind, so dass die Sicht verdeckt wird. Auf der Hochebene gibt es zahlreiche Nuraghen, prähistorische Steintürme der Nuraghenkultur.
Weiter geht es durch die Bergdörfer Ulassai und Jerzu, das auch Citta dell Vino genannt wird. Hier wird der bekannteste Cannonau Wein Sardiniens angebaut, den wir abends in unserer Ferienwohnung ausgiebig kosten.
Zurück an der Küste machen wir noch einen Abstecher nach Torre di Bari, einem kleinen ruhigen Badeort bei Barisardo mit langem Sandstrand und fotogenem Wehrturm auf einer kleinen Landzunge.


Das Supramonte Massiv steht ebenfalls auf dem Programm. Dazu geht es auf der SS 125, der Strada Orientale Sarda, einer der tollsten Motorradstraßen Sardiniens, Richtung Norden. Auf der Passhöhe Genna Silana in 1017 m Höhe beginnt der Abstieg zur Gola Su Gorruppu, mit bis zu 450 m hohen Felswänden eine der tiefsten Schluchten Europas. Da wir nicht so wanderfest sind, genügen wir uns mit dem Blick auf den Eingang der Schlucht, der sich ein paar Kehren später an dem ehemaligen Straßenwärterhaus Cantoniera Bidicolai bietet. Bei Dorgali biegen wir ab auf die Stichstraße mit Tunnel und anschließenden Serpentinen nach Cala Gonone, wo wir vor 13 Jahren unseren ersten Sardinienurlaub verbracht haben.
Über den schmalen ehemaligen Köhlerweg über den Monte Iveri machen wir einen Abstecher zur noch unerschlossenen Cala Cartoe, einem schönen und nicht so überlaufenden Sandstrand, wo ich zu meinem täglichen Bad komme.
Wir fahren weiter in Richtung Nuoro und auf den 955 m hohen Hausberg der Nuoresen, dem Monte Ortobene. Dort befindet sich die sieben Meter hohe Erlöserstatue „Redentore“, Ziel einer großen jährlichen Trachtenprozession.
Kultureller Höhepunkt des Tages ist der Besuch des ehemaligen Banditendorfes Orgosolo. Im gesamten Ortskern befinden sich die berühmten Murales, Wandbilder mit überwiegend sozialkritischen und politischen Motiven.

Zurück zur Fähre

Noch einmal genießen wir die Kurven der SS 125 auf der schönen Teilstrecke bis Dorgali, bei einer Kaffeerast auf dem Silana Pass finden wir das passende Urlaubssouvenir dazu.
Das richtige Cabriofeeling haben wir dann noch einmal auf der 40 km langen Panoramasstraße von Lula nach Siniscola unterhalb des Gipfels des Monte Albos, dem weißen Berg. Die Straße hat kaum Verkehr, ist aber gut befahrbar und bietet ein atemberaubendes Panorama. In dem ehemaligen Straßenmeisterhaus Locanda Ammentos machen wir Mittagsrast. Mit Blick auf die herrliche Bergwelt genießen wir noch einmal die „cucina tipica sarda“ mit einem leckerem Antipasti Teller.


Zurück auf der Küstenstraße bauen wir noch einen Abstecher zum Capo Coda Cavallo ein. In Golfo Aranci angekommen, haben wir genügend Zeit für einen Bummel über die schöne Uferpromenade mit dem kleinen Fischerhafen. Nach einer leckeren Pizza schiffen wir dann auf der Nachtfähre ein, die uns nach Livorno bringen soll.

Gardasee und Ötisheim

Von Livorno geht es auf direktem Wege an den Gardasee, wo wir in unserem "Stammhotel" in Torri del Benaco absteigen. Nachmittags bummeln wir durch den Ort, gönnen uns ein leckeres Eis und genießen die Sonne an der Uferpromenade.
Am nächsten Morgen ist Markttag in Torri, den wir uns nicht entgehen lassen. Danach machen wir einen Ausflug zum Lago di Tenno. Um den See führt ein schöner Wanderweg, anschließend belohnen wir uns mit "Frutta e Verdura" und Ministrone im Ristorante am See. Auch für ein Stadtbummel durch Malcesine bleibt noch Zeit.


Die längste Tagesetappe unseres Urlaubs bringt uns am nächsten Tag über Bozen, Meran, die Vinschgau und den Reschenpass nach Ötisheim zu Susanne und Claus. Wegen einer Vollsperrung auf der Reschenstraße stehen wir fast drei Stunden im Stau.
Wir haben noch einen letzten schönen Urlaubstag, den wir mit dem Besuch der Panorama 312 Ausstellung im Gasometer Pforzheim und einer Wanderung zum Büchenbronner Aussichtsturm verbringen.
Nach einem langen gemütlichen Abend mit unseren Freunden geht es am nächsten Tag auf der Autobahn Richtung Heimat.

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