Nachdem wir im letzten Jahr im Norden waren, ist jetzt wieder der Süden an der Reihe. Ziel ist Italien, zum einen wollen wir dort neue Ecken kennenlernen, wie die Cinque Terre und die Abruzzen, zum anderen Orte besuchen, die uns so gut gefallen, dass wir immer wieder dorthin fahren können. Für mich gehört insbesondere die Toskana dazu!

{Karte mit Reiseverlauf}


Anreise über Allgäu und Comer See {Allgäu} Fotos

Am Samstag morgen um 9:00 geht es endlich los. Birgit und Rainhard, unsere Nachbarn, verabschieden uns und wünschen uns einen schönen Urlaub, vor allem Sonne, denn es sieht leider ganz nach Regen aus! Sobald wir auf der Autobahn sind, fängt es dann auch an zu regnen. Erst kurz vor unserem Ziel in der Nähe von Füssen kommt die Sonne wieder durch. So können wir wenigstens etwas von der wunderschönen Landschaft des Allgäus geniessen.

Am nächsten Morgen wieder Regen! Wir wollen, um Pickerl und Vignette zu umgehen, nur Landstraßen in Österreich und der Schweiz benutzen und haben uns daher für den Fernpass entschieden. Als Volker, der im Gegensatz zu mir stets mit "offenen" Augen durch die Gegend fährt, den Wegweiser nach Samnaun sieht, beschliessen wir, einen Abstecher dorthin zu machen. Die dann folgenden sieben Kilometer sind echt abenteuerlich. Eine sehr enge Straße mit zahlreichen unbeleuchteten Tunneln. In einem Tunnel ist mittendrin plötzlich eine 90° Kurve, alles vor mir ist schwarz und ich sehe nicht, wo es weiter geht. Der Scheinwerfer von meinem Wirbelwind sitzt in der Verkleidung und leuchtet also weiter geradeaus! Durch langsames Vortasten habe ich den Ausgang des Tunnels aber dann doch noch gefunden! Nach dem Abstecher fahren wir immer am Inn entlang und kommen nach St. Moritz, ab hier wird es dann trocken und sonnig. Auf der tollen Strecke über den Maloja Pass erreichen wir im Sonnenschein den Comer See. Unser Hotel liegt direkt am See. Wir genießen die Wärme, promenieren am See entlang und essen unsere erste Pizza in diesem Urlaub. Es sollten noch so einige folgen!

Das Frühstück am nächsten Morgen ist ganz nach italienischer Art: ein Cappuccino mit Croissant in der nächsten Bar. Dann geht es weiter Richtung Süden, kurz nach Milano verlassen wir die Autostrada und fahren über die S45 durch das Tal der Trebbia. Die Strecke begeistert uns, kurvenreich, gut ausgebaut und herrliche Blicke auf das Flusstal. Da macht das Fahren einfach nur Spaß. Mittags machen wir Rast und essen unsere morgens eingekauften Panini mit Prosciutto cotto. So halten wir es auch in den kommenden Tagen. Am Spätnachmittag erreichen wir Levanto, diesen Ort haben wir uns als Ausgangspunkt für die Erkundung der Cinque Terre ausgesucht.


Cinque Terre (Ligurien) {Cinque Terre} Fotos

In Levanto wohnen wir für drei Tage in einem B&B. Leider spricht die Signora kein Englisch und es gibt kleinere Verständigungsschwierigkeiten. Mit der Unterkunft sind wir aber zufrieden und an das italienische Frühstück gewöhnen wir Müsliesser uns auch schnell.

Am nächsten Tag beginnen wir mit der Erkundung der Cinque Terre. Das ist ein 12 km langer Küstenstreifen westlich von La Spezia mit fünf kleinen Dörfern, die malerisch an der Steilküste liegen: Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Die ganze Region ist Nationalpark und zählt zum UNESCO Kulturerbe. Alle Orte sind durch einen Wanderweg miteinander verbunden. Am Bahnhof kann man die Carta Cinque Terre kaufen, mit der man einen Tag lang unbegrenzt mit der Bahn zwischen diesen Orten hin und herfahren kann und die den Eintritt in den Nationalpark beinhaltet.

Wir fahren mit dem Zug nach Riomaggiore, die Strecke führt fast nur durch Tunnel. Der Bahnsteig in Riomaggiore ist kürzer als der Zug, die letzten Waggons halten noch im Tunnel und man muß dort aussteigen! Wir wandern, wie die meisten der Touristen, auf der breiten Via dell' Amore nach Manarola. Die Sonne knallt so richtig und wir werden abends feststellen, dass wir uns einen heftigen Sonnenbrand geholt haben! Die nächste Etappe nach Corniglia ist schon schwieriger, man muss auch noch 365 Stufen hinaufklettern, bis man den Ort erreicht. Bei weitem anstrengender ist jedoch der Weg nach Vernazza, erschöpft erreichen wir den malerischen Hafen. Lange sitzen wir dort auf der Kaimauer, schauen dem Treiben zu und geniessen einfach das herrliche Wetter. Auf die letzte, schwierigste Etappe nach Monterosso verzichten wir, wir haben für heute genug und fahren mit der Bahn zurück nach Levanto.

Am drauffolgenden Tage fahren wir mit unseren Motorrädern auf kleinen, kurvigen Straßen durch die Cinque Terre. Auch hier hat man immer wieder herrliche Blicke auf die fünf Orte. Unser Ziel ist Portovenere, ein hübscher Ort am Meer mit bunten Häuserfassaden. Wir bummeln durch den Ort, steigen zur Kirche hinauf und trinken einen Cappuccino.

Die Abende verbringen wir in Levanto. Meist sitzen wir am Meer, eine nette Strandbar gibt es hier, und geniessen den Sonnenuntergang.


Toskana {Toskana} Fotos

Unser dritter Urlaub in der Toskana! Dieses Mal sind wir nicht im Chianti Gebiet sondern ganz im Südosten. Wir haben für eine Woche eine Ferienwohnung in dem kleinen Ort Acquaviva gemietet, sie liegt auf einem zu Ferienwohnungen umgebautem Weingut. Uns gefällt es dort sofort. Das Gebäude sieht herrschaftlich aus, die Wohnung ist nett und zur Anlage gehört ein Pool, an dem wir einige Stunden verbringen werden. In einem kleinen Laden kann der gutseigene Wein gekauft werden. So sparen wir den Transport und der Wein schmeckt wirklich gut, wie wir jeden Abend aufs Neue feststellen!

In dieser Woche lassen wir es ruhig angehen. Das schöne an einer Ferienwohnung ist, dass es keine festen Frühstückszeiten gibt. Man kann jeden Morgen nach Lust, Laune und Wetter entscheiden, wann man aufsteht! Und wann man losfährt! Wir sind jeden Tag mit unseren Motorrädern unterwegs, meist haben wir abends um die 200 km auf dem Tacho. Es geht uns in erster Linie um das Fahren und das Genießen der tollen Landschaft, Stadtbummel und Besichtigungen fallen meist kurz aus. Grund dafür ist auch das gute Wetter: es ist einfach zu heiß, um in Lederklamotten längere Strecken zu Fuß zurückzulegen! Eine der Touren geht Richtung Süden zum Lago di Bolsena, der bereits in Umbrien liegt. Eine andere Tour führt uns durch die Crete. Diese Landschaft hat mich schon bei früheren Besuchen fasziniert. Dort sieht es genauso aus, wie man sich die Toskana vorstellt. Eine im Mai noch grüne Hügellandschaft mit Zypressenalleen und einsamen Gutshöfen, durch die sich herrliche kurvige Straßen winden. Diese Strecke ist immer wieder ein Erlebnis, wir sind sie in diesem Urlaub gleich drei Mal gefahren!

Durch Montalcino, das wie eine Festung auf einem 564 m hohen Berg liegt, haben wir trotz Hitze einen Stadtbummel gewagt. Er endete (nach gar nicht langer Zeit) an der Piazza del Popolo in einem netten Cafe! Eine tolle Tour war ebenfalls die Fahrt zum Monte Amiata, mit 1738 m die höchste Erhebung der Toskana. Zuerst haben wir den Berg auf halber Höhe umrundet, wo man zahlreiche kleine Bauerndörfer durchfährt, dann sind wir die Bergstrecke zum Gipfel hochgefahren. Die letzten Meter müssen allerdings auch wir zu Fuß hinaufkraxeln. Leider gibt es keine Fernsicht, dafür haben die Straßen aber bei weitem entschädigt.

Wir haben uns in der Woche selbst verpflegt. Jeden Abend gibt es Nudeln mit den unterschiedlichsten Soßen, dazu Rotwein aus dem gutseigenen Anbau. Solange es abends hell ist, ist es auch noch warm genug, draußen zu sitzen. Das habe ich besonders genossen, denn zuhause gab es dazu noch keine Gelegenheit.

Nach einer herrlichen, erholsamen Woche verlassen wir die Toskana in Richtung Süden.


Abruzzen {Abruzzen} Fotos

Über teilweise wenig befahrene und kurvenreiche Landstraßen geht es 300 km weiter in den Süden in die Abruzzen. Als Standort haben wir Sulmona gewählt. Von hier aus sind alle Nationalparks der Abruzzen gut zu erreichen. Am Abend bummeln wir durch die Stadt und sind fasziniert von dem Treiben, das auf der Hauptstraße herrscht. Die gesamte Stadtbevölkerung, so erscheint es uns, flaniert in Gruppen oder zu zweit über den Corso, alle Bars sind voll besetzt, der Geräuschpegel ist enorm. Zur Essenszeit, so gegen 21:00, wird es dann schlagartig leer und wir sind fast alleine unterwegs. Erst am späten Abend füllen sich die Bars wieder. Überhaupt sind dort zu dieser Jahreszeit kaum Touristen anzutreffen, so hat man wirklich Gelegenheit, die italienische Lebensart kennenzulernen.

In den nächsten Tagen unternehmen wir bei herrlichstem Wetter Touren durch die Bergwelt. Die erste Tour geht in den Nationalpark Abruzzen. Die kurvenreiche enge S479 führt entlang der faszinierenden Schlucht Gole d. Sagittario über Scanno zum Lago di Barrea. Dort hat man von einer Panoramaterasse eine tolle Aussicht auf den See und die Berge. Zurück geht es über den Passo di Diavolo, die Straßen sind in guten Zustand und machen super Spaß zum Fahren. Am Lago Villalago entdecken wir einen versteckten Rastplatz, den man nur zu Fuß erreichen kann. Dort ist eine herrliche Ruhe und Volker nutzt diese für ein Nickerchen!

Bei der zweiten Tour erkunden wir den Parco Nationale della Mailla. Wir machen einen Abstecher zum Gipfel des Maieletta. Bei etwa 2000 m drehen wir aber um, es wird ganz schön kalt und die meterhohen Schneewände am Straßenrand schrecken uns ab. Die Aussicht aber ist genial.

Die letzte Tour führt uns in den Norden zum Campo Imperatore, einer Hochebene auf etwa 1700 m Höhe. Von der S17 hat man herrliche Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Berge. Immer wieder müssen wir anhalten, weil ich unbedingt Fotos schießen muss. Allerdings ist heute Sonntag und herrliches Wetter, das heißt, alle Italiener, die ein Motorrad besitzen, sind heute unterwegs. Auf der S17 geht es zu wie auf einer Autobahn. Die meisten Italiner besitzen Sportmaschinen und sind entsprechend schnell unterwegs. Der Sound ist beeindruckend. Wir finden jedoch abseits dieser Panoramastraße ein ruhiges Plätzchen, wo wir unsere Mittagsrast einlegen können.

Die Abende verbringen wir in der Stadt. Wir haben eine tolle Pizzeria entdeckt, in der es leckere Antipasti gibt. In der Hotelbar gibt es dann noch einen Campari Soda als Gute Nacht Trunk!


Gardasee und Rückfahrt {Gardasee} Fotos

Eigentlich wollen wir uns zwei Tage Zeit nehmen, um von den Abruzzen zum Gardasee zu gelangen. Da uns der Verkehr auf der Küstenstraße aber wahnsinnig macht, beschließen wir, Autobahn zu fahren. Somit legen wir die 600 km an einem Tag zurück und erreichen abends Torri del Benaco. Bei unserem ersten Gardaseeurlaub waren wir in Torri und seitdem ist dies immer unser Anlaufpunkt, wenn wir zum Gardasee fahren. Mittlerweile das fünfte Mal!

Das Wetter hat sich im Laufe des Tages geändert. Als wir die Abruzzen verlassen, sind es 27°, am Gardasee angekommen ist die Temperatur bis auf 14° gesunken. Abends regnet es dann auch, so haben wir Torri noch nicht oft erlebt.

Am nächsten Tag ist der Himmel verhangen und es regnet in Strömen. Mit Regenschirmen ausgerüstet holen wir den Stadtbummel nach, dann fahren wir mit der Fähre nach Maderno auf die andere Seeseite. Auch dort ist es nicht besser, die meiste Zeit verbringen wir im Cafe. Gegen Abend hört es langsam auf und wir können noch die Sonne am See genießen.

Am Tag darauf scheint die Sonne wieder. Wir beschließen sofort, die Monte Baldo Tour zu fahren. Der Bikertreff mit Aussichtsterrasse an der Monte Baldo Höhenstraße, der beim letzten Besuch wegen Umbauarbeiten geschlossen war, ist inzwischen fertig und richtig toll geworden. Es ist voll, nach kurzen Warten finden wir aber einen Platz auf der Terrasse und haben einen super klaren Blick auf den Gardasee und die umliegenden Berge. Hier schmeckt der Cappuccino! Wir beenden unsere Tour in Garda, wo wir im Sonnenschein ein Eis schlecken.

Am nächsten Tag geht es Richtung Heimat. Parallel zur Autobahn, über Trient und Bozen fahren wir nach Sterzing, wo es dann auf die alte Brennerstraße geht. Über Innsbruck erreichen wir in strömenden Regen den Walchensee. Uns ist kalt, alles ist durchnässt. Es regnet den ganzen Abend, der See ist nicht zu erkennen. Am darauffolgenden Morgen sind sogar die Baumgipfel weiß, es hat geschneit. Wir ziehen alle Pullover, die wir mit haben, übereinander an, es ist eisig kalt. Immerhin hört es bald auf zu regnen. Nach 600 km Autobahn erreichen wir am frühen Abend unser zuhause, wo uns unsere Nachbarn freudig begrüßen. Sie beneiden uns wegen unseres Urlaubwetters, zuhause hat es die drei Wochen fast nur geregnet!

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