Schweden war kein Neuland für uns, im Gegenteil. Wir sind absolute Schwedenfans, vielleicht auch, weil ich dort mal 18 Monate gelebt und gearbeitet habe. Seitdem versuchen wir jedes Jahr, zumindest für einige Tage dorthin zu fahren. In Südschweden und Stockholm kennen wir uns aus, im Norden weniger, weiter als bis Dalarna sind wir noch nicht gekommen.

Für unsere erste grosse Motorradtour hatten wir eine Route ausgearbeitet, in der alle schönen Flecken, die wir bisher entdeckt hatten, angesteuert wurden. Wir waren noch mit zwei Freunden unterwegs, die noch nie in Skandinavien waren. Somit waren wir auch zugleich deren Reiseführer.

{Landkarte Schweden}

An einem Samstag morgen im August ging es in Lippstadt los, nachdem wir stundenlang versucht hatten, alle Gepäckstücke auf den Motorrädern zu verstauen. Schließlich war doch alles fest verzurrt und es konnte losgehen.

An dem Tag sind wir stur Autobahn bis zur dänischen Grenze gefahren. Dort sind wir dann in unserer ersten Jugendherberge bzw. Vandrarhem, wie sie in Skandinavien heissen, abgestiegen. Am nächsten Tag hiess es noch einmal Autobahn fahren, um nach Fredrikshavn zu kommen. Den ganzen Tag hat es geregnet. Aber das hat bei der Langeweile auf der Autobahn auch keine Rolle gespielt. Außerdem, schneller als 110 ist in Skandinavien sowieso nicht angesagt. Wir haben auch immer wieder gestaunt, wie viele Leute sich doch daran halten.

Abends waren wir dann in Skagen und haben Grenen besucht, das Fleckchen Erde, wo Kattegat und Skagerrak sich treffen. Windig war’s da, aber schön!

Am nächsten Morgen ging es dann endlich nach Schweden, der Katamaran hat uns in zwei Stunden von Fredrikshavn nach Göteborg gebracht, allerdings bei etwas unruhigem Seegang! Göteborg sind wir auf schnellstem Wege entflohen, um unser erstes Ziel an der Westküste Schwedens anzusteuern. Die Inseln Orust und Tjörn in Bohuslän. Diese sind mit einer Brücke mit dem Festland verbunden, von wo aus man eine fazinierende Aussicht auf die Schären der Westküste hat.

 

Unser Vandrarhem auf Orust war ein ehemaliger Bauernhof, sehr idyllisch und ruhig gelegen. In der Selbstverpflegungsküche haben wir uns abends warme Mahlzeiten gekocht. Nudeln, Reis, und mal wieder Nudeln.....

In den folgenden drei Tagen haben wir dann die schönsten Flecken und Fischerorte in Bohuslän angefahren. Wunderbare Strecken, oft direkt an der Küste entlang. In den grösseren Küstenorten wie Lysekil oder Smögen ist im Sommer richtig was los. In den kleineren wie Möllosund oder Hälleviksstrand dagegen konnte man einfach nur die Ruhe am Hafen genießen und den Fischern bei der Arbeit zusehen.

Einen Tag allerdings haben wir damit verbracht, Zündkerzen für meine Zephyr zu organisieren. Das ist dort alles andere als einfach. Erst mal eine Motorradwerkstatt finden, dazu mussten wir 40 km bis in die nächste grössere Stadt fahren. Dort gab es dann genau einen Händler, der versteckt mitten in einem Wohngebiet angesiedelt war. Immerhin hatte er die richtigen Zündkerzen am Lager.

Unser nächstes Ziel war dann auch zugleich unsere nördlichste Anlaufstelle, Mora am Siljansee in Dalarna. Für diese fast 500 Kilometer haben wir den ganzen Tag gebraucht. Die Strasse führte fast immer durch Wälder, meist stur geradeaus, oft kilometerweit ohne die kleinste Biegung. Wir haben immer Ausschau nach Elchen gehalten, aber leider keine gesehen und zum Glück keinen getroffen. Denn da hätten wohl wir den kürzeren gezogen!

Am Siljansee angekommen, wurden wir gleich von den Mücken überfallen. Es war schrecklich, irgendwie schienen sich alle Mücken auf uns Fremde zu konzentrieren, die Einheimischen konnten sich ganz normal bewegen. Zudem hat es dort dann zwei Tage geregnet. Wir haben uns aber trotzdem auf unsere Mopeds gesetzt und sind zum Bärenpark nach Orsa gefahren. Dort, im grössten Bärenpark Europas, konnten wir Bären und Wölfe in mehr oder weniger freier Wildbahn beobachten. Das war wirklich ein Erlebnis.

Ein noch grösseres Erlebnis war allerdings die Fahrt zum Wasserfall Helvetesfallet. Die letzten zwölf Kilometer waren unbefestigte Schotterpiste mit ziemlichen Schlaglöchern. Dazu hat es dann ununterbrochen geregnet. Unsere Mopeds sahen aus! Man wagte es kaum noch, sie anzufassen. Abends haben wir dann erstmal eine Do-it-your-Self Waschanlage gesucht und die Mopeds mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet.

Vom Norden haben wir uns dann auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis genächtigt haben. Dort ist im Museumstrakt eine Jugendherberge untergebracht, sehr gemütliche Zellen! In Stockholm hatten unsere Mopeds dann auch mal vier Tage Urlaub. Dort haben wir das hervorragend ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz benutzt. Da es kaum etwas in Stockholm gibt, was Volker und ich noch nicht gesehen haben, konnten wir uns die übliche Besichtigungstour sparen. Wir haben einfach unsere Lieblingsorte aufgesucht und es uns dort gemütlich gemacht.

 

auf der Af Chapman, einem Segelschiff, das als Jugendherberge dient, Kaffee getrunken und den Blick auf die Gamla Stan,die Altstadt, genossen

Von den Felsen auf Kastellholmen dem Treiben im Vergnügungspark Tivoli zugesehen, durch die Gassen auf Södermalm gebummelt und von Fåfängan, ein an einem Aussichtspunkt gelegenem Außencafe, das Ein- und Auslaufen der Waxholmboote beobachtet.

Einen Tag haben wir natürlich auch auf den Schären verbracht. Die Bootsfahrt durch die Schären ist immer wieder ein Erlebnis. Ein Ferienhäuschen ist schöner als das andere. Auf Utö habe ich dann sogar das Bad in der Ostsee gewagt.

Da uns der schwedische Skärgården so gut gefällt, lag die nächste Anlaufstelle ebenfalls am Wasser, das Vandrarhem St.Anna in St.Annas Skärgård. Die Herberge liegt total idyllisch, ganz einsam, direkt am Wasser mit eigenem Gästhamn.

Einen Tag haben wir damit verbracht, den Göta Kanal zu verfolgen. Wir waren in Söderköping, haben in Berg die Schiffe beim Schleusengang durch die 18 Schleusen beobachtet und durften in Borensberg sogar selbst Hand anlegen beim Öffnen und Schliessen der Schleusentore.

In Vimmerby, der Stadt Astrid Lindgrens, haben wir dann die Originaldrehplätze von Bullerbü und Michel in Lönneberga, der eigentlich Emil heisst, besucht.
Astrid Lindgrens Värld haben wir ausgelassen, dafür fühlten wir uns ja dann doch zu gross, aber Astrid Lindgrens Gården hat uns um so mehr begeistert. Ein erst seit kurzem bestehendes Muesum über das Leben der Schriftstellerin.

Von der Jugendherberge in Kalmar haben wir dann einen Abstecher auf die Insel Öland gemacht. Diese Insel ist mit einer 6 km langen Brücke mit dem Festland verbunden. Auf Öland haben wir die Insel fast einmal umrundet.

 

Teilweise ist die Insel wirklich so, wie der Name sagt: öde, aber trotzdem interessant.

Ystad war unser letzter Anlaufpunkt in Südschweden. Die Jugendherberge dort liegt direkt am Strand, aber zum Baden war es wie immer in diesem Sommer zu kalt.
Dort haben wir dann noch etwas für die Kultur getan, sind zu Ales Stenar gewandert, haben Burg Glimmingehus besichtigt und waren am südlichsten Punkt Schwedens in Smygehuk.

In Trelleborg angekommen, haben wir dann auf der Peter Pan eingecheckt, die uns, nachdem wir uns am Captains Buffet gestärkt hatten, sicher nach Travemünde gebracht hat.

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